Beitrag Uwe Schmädeke, Mahnwache 11.02.2012

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Warum stehen wir heute hier?  Und nicht am 11. März, am Jahrestag des Unglücks?

Ganz bewusst finden die Proteste nicht am 11. März statt, sondern einen Monat früher, denn im März wird die Trauer um die Opfer des Tsunamis im Mittelpunkt stehen. Als Zeichen der Verbundenheit wird weltweit zu Mahnwachen aufgerufen. Unter dem Motto „5 vor 12, Fukushima heißt: Grohnde abschalten!“ ruft auch der Anti-Atom Kreis Nienburg heute zu dieser Mahnwache auf. Der Anti-Atom Kreis Nienburg ist ein Zusammenschluss aus dem „Runden Tisch Energiewende Stolzenau“ und der „Mahnwache Nienburg“, die überhingst jeden Montag hier in Nienburg um 18:00 Uhr statt findet. Dazu möchte ich Sie schon jetzt herzlich einladen.

 

Zum Gedenken an die vielen Opfer in Fukushima und Tschernobyl wollen wir, wie es bislang auch üblich war, eine Minute schweigen.                   Ich danke euch.

Fukushima – Wie lebt die Bevölkerung dort nach der Katastrophe“ – Eine Bestandsaufnahme 

Der Super-GAU im japanischen Fukushima ist aus den Schlagzeilen verschwunden. Vorbei ist die Katastrophe deswegen noch lange nicht. Im Gegenteil: Das Ende ist nicht absehbar. Der Super-GAU wird die Region noch Jahrzehnte belasten.

 

Wir erinnern uns: Vor fast einem Jahr erschütterte ein starkes Erdbeben die Ostküste Japans. Im AKW Fukushima geraten 3 der 6 Reaktoren außer Kontrolle. Kühlsysteme und Stromversorgung fallen aus, die Brennstäbe im Kern der Reaktoren beginnen zu schmelzen. Mehrere Explosionen zerfetzen die Reaktorgebäude. Das Containment, also die Betonumhüllung des Reaktorkerns, bekommt Risse. Mit Feuerwehrschläuchen und Pumpen versuchen Rettungsmannschaften unter Inkaufnahme hoher Strahlendosen, Brennelemente und das Innere der Reaktoren zu kühlen.

Im Verlauf der Katastrophe und der Rettungsarbeiten fließen Tausende Tonnen zum Teil hochradioaktives Wasser in den Pazifik. Mehrfach lässt AKW-Betreiber TEPCO zudem radioaktiven Dampf aus den Rektoren ab, um deren Bersten zu verhindern. Einen Teil der radioaktiven Wolke bläst der Wind aufs Meer, der Rest zieht in einem Bogen über Japan hinweg. Selbst im 240 km entfernten Tokio findet sich radioaktives Jod im Trinkwasser. Bis heute sind noch immer Nahrungsmittel kontaminiert, Kontrollen finden nur stichprobenweise statt.

Wissenschaftler warnen, dass gerade die Aufnahme radioaktiver Stoffe in den Körper eine große Gesundheitsgefahr darstellt.

Am Morgen des 12. März ruft die Regierung die Bewohner im 20-km-Umkreis um das AKW auf, zu fliehen. Viele fahren genau dorthin, wohin die radioaktive Wolke weht. In Flüchtlingslagern spielen Kinder im radioaktiven Fallout. Wochen später legt die Regierung auch den Menschen im 20–30-km-Gürtel um das AKW eine Flucht nahe. Die 20-km-Zone bleibt auf unbestimmte Zeit gesperrt. Von 100.000 wegen des Atomunfalls Evakuierten spricht die FAZ.

Messungen zeigen, dass die tatsächlich kontaminierte Zone weit größer ist als der 30-km-Ring um das AKW. Zigtausende haben, um Gesundheitsschäden zu entgehen, auf eigenen Entschluss und ohne Aussicht auf Entschädigung Haus und Heimat verlassen. Die Zahl der Strahlenflüchtlinge dürfte also weit höher liegen als amtlich angegeben.

 

Theoretisch haftet auch in Japan der Betreiber eines AKW für alle Schäden. Praktisch steht selbst ein Riesenkonzern wie TEPCO nach dem Super-GAU vor der Pleite. Die Folge: Die Milliarden-Kosten für die Sicherung der Katastrophenmeiler, die Dekontamination der verseuchten Gebiete, die Entschädigung für Zwangsumzüge, für Verlust von Haus, Betrieb, Arbeitsstelle und vielem mehr bleiben ebenso wie die Gesundheitskosten an der Allgemeinheit hängen.

Einiges haben wir nun schon gehört, wir erinnern uns sicherlich auch an die Bilder der Menschen in den Turnhallen mit Papptrennungen. Wie sieht das Leben nun aktuell nach der Katastrophe aus? Sicher, es wurden mittlerweile Notunterkünfte und Containerdörfer gebaut, in denen ein Teil der Menschen leben. Einige sind bei Verwandten und Freunden untergekommen. Reicht das aber aus? Faxt ist, die viel versprochenen Zahlungen, die Entschädigungen, gab es bislang nicht. Bislang wurde weder von Tepco, noch von der Regierung 1 Jen an die Strahlenflüchtlinge gezahlt.

Die Menschen vor Ort werden von einer großen inneren Unruhe gequält. Ihre größte Sorge ist: Wann werden wir wieder nach Hause können? Wird das je möglich sein?“

Ihre Heimat ist zu Geisterstädten geworden, es sind immer noch Sperrzonen.

 

Die Zukunft vor Ort ist also sehr ungewiss, das Leben der Strahlenflüchtlinge läuft alles andere als in geordneten Bahnen. Der tatsächliche Zustand der Reaktoren ist ebenfalls ungewiss. Umso wichtiger also, auch international Solidarität und Unterstützung mit denjenigen auszudrücken, die in Japan dafür streiten, aus der Atomkraft auszusteigen.

Und nicht zu vergessen, dass auch in Deutschland mehr als die Hälfte der ursprünglichen Atomkraftwerke noch in Betrieb ist. Es kann auch hier jederzeit zu einem Super Gau kommen, mit ähnlichen Folgen, wie in Japan, wie in Fukushima!

Das nächste AKW in unsrem näheren Umkreis ist in Grohnde. (60/70 km)

Amerikanische Wissenschaftler hatten für Fukushima eine Evakuierung im Umkreis von 80 km vorgeschlagen. Legt man diesen Radius beim AKW Grohnde zugrunde, wären 5,2 Mio. Menschen betroffen, auch wir in Nienburg und Stolzenau wären dann davon betroffen. Es ist 5 vor 12! Fukushima heißt: Grohnde abschalten!    Danke!

Uwe Schmädeke

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